Glienicke: Physikalische Gesetze mit Hilfe der Schönfließer Feuerwehr in der Praxis getestet
Einsatz ohne Feuer
Von Marc Aurel Parnitzke,
Niko Schicketanz, Daniel Lüdt,
Nicole Finke und Katharina Kring
„Den Hebel ganz ruhig bewegen“, sagt Christian Finke zu Daniel Lüth. Ungewöhnlich langsam rollt daraufhin das Löschfahrzeug der Schönfließer Feuerwehr über den Schulhof des Neuen Gymnasiums in Glienicke. Aber nicht etwa Gruppenführer Christian Finke oder Feuerwehrkamerad Willi Klein setzen das 14,5Tonnen schwere Gefährt in Bewegung. Jeder einzelne Schüler des Gymnasiums schafft es, das Fahrzeug zu bewegen. Das hat einen guten Grund. „Wir machen uns die Goldene Regel zu nutze, verlängern den Hebel, um Kraft zu sparen“, erklärt Christian Finke den Schülern.
Finke und Klein sind zu einem ganz besonderem Einsatz ohne Feuer an die Schule gekommen. In Absprache mit dem Lehrer Hans-Joachim Bork steht mit Unterstützung der Feuerwehrkameraden angewandte Physik auf dem Lehrplan während der Projektwoche. Timur, Calvin, Marc Aurel, Niko, Daniel und die anderen Schüler testen das Hebelgesetz. Dazu haben die Feuerwehrmänner ihr Fahrzeug mit einem Mehrzweckzug verbunden. Die Hebevorrichtung ist mit Hilfe von Erdnägeln fixiert. „Nach diesem Prinzip werden nach Unfällen Fahrzeuge aus dem Graben gezogen oder fortbewegt“, berichtet Christian Finke den Mädchen und Jungen. Die Schüler sind begeistert, wie leicht sich das schwere Fahrzeug ziehen lässt. Trotzdem geht es nur langsam voran. „Und wie funktioniert das auf der Autobahn?“, will ein Schüler wissen. „Dort werden die Seile an Leitplanken oder an Bäumen befestigt“, erklärt Willi Klein, wie es in der Praxis aussieht.
Zwischen den Schülern und den Feuerwehrkameraden herrscht schnell ein vertrauter und freundschaftlicher Ton. „Unter Feuerwehrkameraden duzen wir uns“, gewähren die Kameraden den Kindern Einblick in ihre Arbeit. So stellen sie sich den Schülern als Christian und Willi vor.
Nachdem jeder der 31 Schüler den Hebel bedient hat, demonstrieren Willi und Christian, wie sich die Arbeit weiter vereinfachen lässt.Mit Hilfe einer eingebauten Rolle wird die Kraft nochmals verringert. Dabei erklären Finke und Klein die Sicherheitsregeln der Feuerwehr. So werden die Mädchen und Jungen aufgefordert, genügend Sicherheitsabstand zu halten. „Die Seile werden zwar regelmäßig geprüft, es kann aber trotzdem passieren, dass sie reißen. Deshalb beträgt der Sicherheitsabstand das Eineinhalbfache der Seillänge“, berichtet der Einsatzleiter. Darüber hinaus testen die Gymnasiasten eine Kübelspritze mit einem Wasservermögen von zehn Litern, die zum Löschen von Mülleimer- oder Briefkästenbränden genutzt wird.
Jede Schülerin und jeder Schüler wird an diesem Projekttag zur Feuerwehrfrau beziehungsweise zum Feuerwehrmann. Dass ein Einsatzhelm etwa 200 bis 300 Euro kostet, hätten die Schüler nicht gedacht. Geduldig hören sie Willi Klein zu, der ihnen viele Hintergrundinformationen rund um den Helm und die Feuerwehr liefert. Schaurig wird es, als Christian den Kindern von einem Mopedfahrer berichtet, dem von einem entgegenkommenden Fahrzeug ein Bein abgerissen wurde. Aber es gibt auch lustige Geschichten für die 31 Kinder und Lehrerin Stefanie Bork. So berichtet Willi Klein von einem Papageien, der angeblich nicht fliegen konnte und von einem Baum gerettet werden musste.
Der praktische Unterricht vergeht an diesem Tag enorm schnell. Für die Schüler des Neuen Gymnasiums sind die physikalischen Gesetze nun viel einfacher zu verstehen. Sie haben sie schließlich mit Christian und Willi selbst getestet.